Einbürgerung: Bearbeitungszeit – warum es dauert und was du tun kannst
Aktualisiert: 30. Oktober 2026
Eine feste Bearbeitungszeit für die Einbürgerung gibt es nicht. Je nach Behörde dauert es einige Monate bis deutlich über ein Jahr, in stark ausgelasteten Großstädten oft am längsten. Du kannst die Dauer vor allem mit einem vollständigen Antrag verkürzen; wenn sich nach längerer Zeit nichts tut, gibt es mit Sachstandsanfrage, Beschwerde und notfalls Untätigkeitsklage aber auch Möglichkeiten, Druck zu machen.
Warum die Bearbeitung so lange dauert
Mehr Anträge seit der Reform
Mit der Reform vom 27. Juni 2024 wurden die Aufenthaltsfrist auf fünf Jahre verkürzt und die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt. Dadurch sind auf einmal sehr viel mehr Menschen antragsberechtigt, und viele, die wegen ihres alten Passes gezögert hatten, stellen jetzt einen Antrag. Viele Einbürgerungsbehörden waren schon vorher ausgelastet. Die Folge sind in vielen Orten lange Wartelisten.
Viele Prüfschritte
Eine Einbürgerung ist kein reiner Formularvorgang. Die Behörde prüft unter anderem:
- Identität und Staatsangehörigkeit, manchmal mit Nachfragen bei ausländischen Stellen
- Aufenthaltszeiten und Aufenthaltstitel, oft mit Akten der Ausländerbehörde
- Einkommen und Lebensunterhalt
- Sprachnachweis und Testbescheinigung
- Straffreiheit über das Bundeszentralregister
- Sicherheitsbedenken über eine Regelanfrage bei den Verfassungsschutzbehörden
Vor allem die Anfragen bei anderen Behörden können Wochen oder Monate dauern, ohne dass deine Sachbearbeitung darauf Einfluss hat.
Unvollständige Unterlagen
Der häufigste vermeidbare Grund für Verzögerungen: Es fehlt etwas. Dann schreibt die Behörde dich an, du reichst nach, und die Akte rutscht in der Warteschlange wieder nach hinten.
Die Phasen eines Einbürgerungsverfahrens
- Warten auf einen Termin oder die Eingangsbearbeitung: In manchen Städten ist schon die Antragsabgabe der längste Teil. Online-Anträge können hier helfen – siehe Einbürgerungsantrag online.
- Vollständigkeitsprüfung: Die Behörde schaut, ob alles da ist, und fordert Fehlendes nach.
- Inhaltliche Prüfung: Voraussetzungen werden geprüft, Anfragen bei anderen Behörden laufen.
- Aktualisierung: Wenn es lange gedauert hat, werden aktuelle Einkommensnachweise oder Meldebescheinigungen nachgefordert.
- Entscheidung und Zusicherung oder Urkunde: Bei positiver Entscheidung wirst du zur Aushändigung der Urkunde eingeladen, oft im Rahmen einer Einbürgerungsfeier.
Was du selbst tun kannst, um es zu beschleunigen
Vor dem Antrag
- Alle Unterlagen vollständig sammeln: Nutze die Checkliste Unterlagen und das Merkblatt deiner Behörde.
- Einbürgerungstest vorher ablegen: Die Auswertung beim BAMF dauert selbst einige Wochen. Wenn du die Bescheinigung schon hast, fällt diese Wartezeit nicht ins Verfahren. Zur Vorbereitung eignen sich der offizielle Katalog oder eine App wie Civio.
- Sprachzertifikat bereithalten: Ebenso wie den Test solltest du die Sprachprüfung abgeschlossen haben.
- Pass und Aufenthaltstitel prüfen: Wenn einer davon bald abläuft, verlängere ihn vor dem Antrag.
Während des Verfahrens
- Nachforderungen schnell beantworten: Je schneller du reagierst, desto weniger Zeit geht verloren.
- Änderungen melden: Umzug, neuer Job, Heirat, Geburt eines Kindes – all das kann Auswirkungen haben. Teile es unaufgefordert mit.
- Erreichbar bleiben: Gib eine E-Mail-Adresse an, die du regelmäßig liest.
- Nicht ständig anrufen: Häufige Nachfragen binden Personal und beschleunigen nichts. Eine schriftliche Nachfrage in sinnvollen Abständen ist besser.
Wenn sich nichts tut: deine Möglichkeiten
1. Sachstandsanfrage
Nach einigen Monaten ohne Rückmeldung kannst du eine kurze, höfliche schriftliche Sachstandsanfrage stellen. Nenne dein Aktenzeichen, das Antragsdatum und frag, ob noch Unterlagen fehlen und wann ungefähr mit einer Entscheidung zu rechnen ist.
2. Beschwerde bei der Leitung oder Aufsicht
Wenn auch das nichts bringt, kannst du dich an die Leitung der Behörde oder die zuständige Aufsichtsbehörde wenden. Manche Bundesländer haben auch Bürgerbeauftragte oder Petitionsausschüsse, die solche Anliegen aufnehmen.
3. Untätigkeitsklage
Wenn die Behörde ohne zureichenden Grund nicht entscheidet, kannst du nach § 75 der Verwaltungsgerichtsordnung eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht erheben. Sie ist in der Regel frühestens drei Monate nach Antragstellung zulässig. Ob die Behörde einen „zureichenden Grund" für die Verzögerung hat, etwa ausstehende Sicherheitsanfragen oder eine nachweislich außergewöhnliche Antragsflut, bewertet das Gericht im Einzelfall. Eine Klage kostet Geld und Zeit, kann aber Bewegung in ein Verfahren bringen. Lass dich vorher von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Migrationsrecht beraten.
Was du während der Wartezeit beachten solltest
- Voraussetzungen müssen bis zur Einbürgerung bestehen bleiben: Wenn du zum Beispiel arbeitslos wirst und Bürgergeld beantragen musst, kann das Auswirkungen auf deinen Antrag haben. Mehr unter Lebensunterhalt bei der Einbürgerung.
- Längere Auslandsaufenthalte vermeiden: Mehr als sechs Monate im Ausland können den gewöhnlichen Aufenthalt unterbrechen, wenn keine Rückkehrfrist vereinbart ist.
- Vorsicht bei Straftaten und Ermittlungsverfahren: Ein laufendes Ermittlungsverfahren setzt die Entscheidung nach § 12a StAG aus. Teile es der Behörde mit.
- Aufenthaltstitel verlängern: Bis zur Aushändigung der Urkunde bist du weiterhin Ausländerin oder Ausländer und brauchst einen gültigen Titel.
So formulierst du eine Sachstandsanfrage
Eine gute Anfrage ist kurz, sachlich und enthält alle Angaben, die die Behörde braucht:
- Dein vollständiger Name und Geburtsdatum
- Aktenzeichen, falls vorhanden
- Datum der Antragstellung
- Die Frage, ob noch Unterlagen fehlen
- Die Bitte um eine ungefähre Einschätzung, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist
Verzichte auf Vorwürfe. Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter haben oft sehr viele Akten gleichzeitig, und ein freundlicher Ton hilft eher. Notiere dir, wann du angefragt hast.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Einbürgerung in Deutschland?
Das ist je nach Behörde sehr unterschiedlich und reicht von einigen Monaten bis zu deutlich über einem Jahr. Eine bundesweite offizielle Durchschnittszahl gibt es nicht; frag deine Behörde nach ihrer aktuellen Einschätzung.
Ab wann kann ich eine Untätigkeitsklage erheben?
Nach § 75 VwGO in der Regel frühestens drei Monate nach Antragstellung, wenn die Behörde ohne zureichenden Grund nicht entschieden hat. Lass dich vorher anwaltlich beraten, weil die Erfolgsaussichten vom Einzelfall abhängen.
Geht es schneller, wenn ich den Antrag online stelle?
Der Online-Antrag spart oft Wartezeit bis zur Antragstellung. Die inhaltliche Prüfung dauert aber in der Regel genauso lange.
Kann ich während des Verfahrens umziehen?
Ja, aber melde es sofort. Bei einem Umzug in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Behörde wird die Akte in der Regel abgegeben, was das Verfahren verlängern kann.
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Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.