Das Schulsystem in Deutschland einfach erklärt

In Deutschland gilt Schulpflicht, und das Schulwesen steht unter staatlicher Aufsicht. Weil Bildung Ländersache ist, gibt es 16 leicht unterschiedliche Schulsysteme. Das Grundmuster ist aber überall gleich: Kita, vier Jahre Grundschule (in Berlin und Brandenburg sechs), dann eine weiterführende Schule bis zum Haupt-, Realschul- oder Abiturabschluss – und danach Ausbildung oder Studium.

Wer bestimmt die Schulpolitik?

Die Bundesländer. Das ist eine der bekanntesten Testfragen. Jedes Land legt Schulformen, Lehrpläne, Ferien und Prüfungen selbst fest. Damit Abschlüsse in ganz Deutschland anerkannt werden, stimmen sich die Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK) ab. Der Staat kontrolliert das Schulwesen, weil es nach dem Grundgesetz seine Aufgabe ist (Art. 7 GG). Mehr zur Aufgabenverteilung in Föderalismus in Deutschland.

Vor der Schule: Krippe und Kita

Schulpflicht

Die Schulpflicht beginnt in der Regel mit sechs Jahren und umfasst meist neun oder zehn Jahre Vollzeitschule, danach oft eine Berufsschulpflicht. Es gilt Anwesenheitspflicht: Kinder müssen am Unterricht teilnehmen, auch an Sport, Schwimmen und Klassenfahrten. Homeschooling ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt. Wer sein Kind ohne Grund nicht zur Schule schickt, muss mit Bußgeldern rechnen.

Die Grundschule

Alle Kinder besuchen gemeinsam die Grundschule – vier Jahre, in Berlin und Brandenburg sechs. Am Ende gibt es eine Schulempfehlung für die weiterführende Schule. Wie verbindlich sie ist, unterscheidet sich je nach Land; in vielen Ländern entscheiden am Ende die Eltern.

Seit dem Schuljahr 2026/27 gilt schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter, zuerst für die erste Klasse.

Weiterführende Schulen

Nach der Grundschule teilt sich der Weg. Je nach Land gibt es:

Der Weg ist nicht endgültig: Ein Wechsel zwischen Schulformen ist möglich, und Abschlüsse lassen sich später nachholen.

Abitur und Studium

Um an einer Universität zu studieren, braucht man normalerweise das Abitur. Mit der Fachhochschulreife kann man an Fachhochschulen studieren. Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Studium auch mit Berufsausbildung und Berufserfahrung ohne Abitur möglich.

Öffentliche Hochschulen erheben in der Regel keine Studiengebühren für ein Erststudium, nur Semesterbeiträge (Ausnahme z. B. Baden-Württemberg für Studierende aus Nicht-EU-Staaten). Finanzielle Unterstützung gibt es über BAföG.

Die duale Ausbildung

Eine Besonderheit Deutschlands ist die duale Berufsausbildung, die viele junge Menschen statt eines Studiums wählen. Du arbeitest in einem Betrieb und gehst parallel zur Berufsschule. Die Ausbildung dauert meist zwei bis dreieinhalb Jahre und wird bezahlt. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hilft das Berufsinformationszentrum (BIZ) der Bundesagentur für Arbeit.

Lernen als Erwachsener

Schule und Einbürgerung

Wenn du in Deutschland einen Schulabschluss gemacht hast, kann dich das bei der Einbürgerung vom Einbürgerungstest und vom Sprachnachweis befreien. Das gilt in der Regel für einen deutschen Hauptschulabschluss oder einen höheren Abschluss. Details in Befreiung vom Einbürgerungstest. Für Kinder unter 16 Jahren, die mit eingebürgert werden, gibt es keinen Test.

Tipps für Eltern, die neu in Deutschland sind

  1. Melde dein Kind rechtzeitig an – die Anmeldung für die Grundschule läuft meist im Herbst oder Winter vor der Einschulung.
  2. Frag nach Willkommensklassen oder Sprachförderung, wenn dein Kind noch wenig Deutsch spricht.
  3. Geh zu Elternabenden und Elternsprechtagen. Eltern haben Mitwirkungsrechte, z. B. als Elternvertreter.
  4. Kläre früh, welche weiterführenden Schulen es in deiner Nähe gibt und wie der Übergang in deinem Bundesland geregelt ist.

Elternrechte und -pflichten

Eltern haben in der Schule nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte:

Zu den Pflichten gehört, dafür zu sorgen, dass dein Kind regelmäßig und pünktlich zur Schule kommt und an allen Pflichtfächern teilnimmt. Wenn dein Kind krank ist, musst du es bei der Schule entschuldigen.

Häufige Fragen

Wer ist in Deutschland für die Schulen zuständig?

Die Bundesländer. Sie bestimmen Schulformen, Lehrpläne und Abschlüsse. Der Bund hat nur wenige Kompetenzen, etwa bei der Förderung durch BAföG.

Darf ich mein Kind zu Hause unterrichten?

In der Regel nein. In Deutschland gilt Schulpflicht mit Anwesenheitspflicht. Homeschooling ist grundsätzlich nicht erlaubt.

Welchen Abschluss braucht man für ein Universitätsstudium?

Normalerweise das Abitur. Es gibt aber auch Wege über die Fachhochschulreife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mit Berufserfahrung.

Befreit mich ein deutscher Schulabschluss vom Einbürgerungstest?

In vielen Fällen ja. Ein deutscher Schulabschluss weist in der Regel sowohl die Sprachkenntnisse als auch die Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung nach. Frag bei deiner Einbürgerungsbehörde nach.

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Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.