Nationalsozialismus und Erinnerungskultur – was du wissen solltest
Aktualisiert: 30. Oktober 2026
Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler. Sie errichteten eine Diktatur, entfesselten den Zweiten Weltkrieg und ermordeten im Holocaust rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden sowie viele weitere Menschen. Die Erinnerung an diese Verbrechen prägt das Grundgesetz, die Politik und den Alltag in Deutschland bis heute – und sie ist seit 2024 auch ausdrücklich Teil des Einbürgerungsbekenntnisses.
Der Weg in die Diktatur
- 30. Januar 1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler.
- Februar/März 1933: Nach dem Reichstagsbrand werden Grundrechte außer Kraft gesetzt. Mit dem Ermächtigungsgesetz kann die Regierung Gesetze ohne Parlament erlassen.
- 1933/34: Gewerkschaften werden zerschlagen, alle anderen Parteien verboten oder zur Selbstauflösung gezwungen. Es gibt keine freien Wahlen mehr, die Presse wird gleichgeschaltet.
Das „Dritte Reich“ war eine Diktatur. Kennzeichen des NS-Staates waren eine Politik des staatlichen Rassismus, Terror gegen Andersdenkende, Führerkult und die Verfolgung von Minderheiten.
Verfolgung und Holocaust
- 1935: Die Nürnberger Gesetze entziehen Jüdinnen und Juden die vollen Bürgerrechte.
- 9. November 1938: In der Pogromnacht zerstören Nationalsozialisten und ihre Anhänger Synagogen und jüdische Geschäfte in ganz Deutschland; viele Menschen werden ermordet oder in Konzentrationslager verschleppt.
- Ab 1941: Systematische Massenmorde in den besetzten Gebieten, Deportationen in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka oder Sobibor.
- 20. Januar 1942: Auf der Wannseekonferenz wird die Organisation der Ermordung der europäischen Juden koordiniert.
Neben den rund sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden wurden Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, politische Gegner, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene verfolgt und ermordet.
Der Zweite Weltkrieg
- 1. September 1939: Deutschland überfällt Polen – Beginn des Zweiten Weltkriegs.
- 1941: Angriff auf die Sowjetunion.
- 8. Mai 1945: Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht, Ende des Krieges in Europa. Für Deutschland und Europa war es ein Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus.
Nach dem Krieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt (USA, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion), Berlin in vier Sektoren. Wie es weiterging, liest du in DDR, Mauerfall und Wiedervereinigung.
Widerstand
Nicht alle machten mit. Bekannte Beispiele:
- Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Offiziere versuchten am 20. Juli 1944, Hitler mit einer Bombe zu töten. Das Attentat scheiterte, viele Beteiligte wurden hingerichtet.
- Die Studentengruppe Weiße Rose um Sophie und Hans Scholl verteilte Flugblätter gegen das Regime und wurde 1943 hingerichtet.
- Menschen wie Oskar Schindler retteten Jüdinnen und Juden das Leben.
Lehren für das Grundgesetz
Viele Regeln des Grundgesetzes sind eine direkte Antwort auf die NS-Zeit:
- Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar – an erster Stelle.
- Grundrechte stehen am Anfang und binden alle staatliche Gewalt.
- Wehrhafte Demokratie: Verfassungsfeindliche Parteien können verboten werden.
- Föderalismus und Gewaltenteilung verhindern Machtkonzentration.
- Asylrecht für politisch Verfolgte – viele Deutsche mussten selbst ins Exil fliehen.
- Abschaffung der Todesstrafe (Art. 102).
Den Zusammenhang mit den Grundrechten erklärt Grundrechte in Deutschland.
Erinnerungskultur heute
Deutschland geht offen mit seiner Geschichte um. Das zeigt sich an vielen Stellen:
- 27. Januar: Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit.
- Stolpersteine: kleine Messingplatten im Gehweg vor den letzten Wohnorten von NS-Opfern, mit Name und Schicksal. Es gibt sie in vielen deutschen und europäischen Städten.
- Gedenkstätten: in ehemaligen Konzentrationslagern wie Dachau, Buchenwald oder Bergen-Belsen; in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
- Schulen: Die NS-Zeit ist fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts, oft mit Gedenkstättenbesuchen.
- Kniefall von Warschau: 1970 kniete Bundeskanzler Willy Brandt am Denkmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto nieder und bat damit Polen und die polnischen Juden um Vergebung.
Verantwortung für jüdisches Leben und Israel
Aus den nationalsozialistischen Verbrechen ergibt sich Deutschlands besondere Verantwortung für Israel und für den Schutz jüdischen Lebens. Jüdisches Leben gibt es auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands seit etwa 1700 Jahren; die größten jüdischen Gemeinden sind heute in Berlin und München.
Rechtlich gilt:
- Wer den Holocaust leugnet, macht sich der Volksverhetzung strafbar (bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe).
- Der öffentliche Aufruf zur Vernichtung Israels ist verboten.
- Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, etwa das Hakenkreuz, dürfen nicht öffentlich verwendet werden (außer z. B. für Unterricht oder Kunst).
Was das für die Einbürgerung bedeutet
Seit der Reform 2024 bekennst du dich bei der Einbürgerung nicht nur zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung, sondern auch zur besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft und ihre Folgen, insbesondere für den Schutz jüdischen Lebens (§ 10 Absatz 1 Nr. 1a StAG). Antisemitisch, rassistisch oder anderweitig menschenverachtend motivierte Handlungen sind mit einer Einbürgerung nicht vereinbar. Mehr dazu in Bekenntnis zur FDGO.
Diese Fragen kommen im Test häufig
- Wann waren die Nationalsozialisten an der Macht? 1933 bis 1945
- Was passierte am 9. November 1938? Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften
- Wofür ist Stauffenberg bekannt? Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944
- Was war am 8. Mai 1945? Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa
- Woran erinnern Stolpersteine? An die Opfer des Nationalsozialismus
Alle Geschichtsfragen kannst du auf unserer Fragenseite durchgehen.
Häufige Fragen
Warum ist der 9. November in Deutschland ein besonderes Datum?
Am 9. November fanden mehrere Schlüsselereignisse statt: 1918 die Ausrufung der Republik, 1938 die Pogromnacht und 1989 der Fall der Berliner Mauer. Wegen der Pogromnacht ist der Tag kein Feiertag.
Was ist der Unterschied zwischen 8. Mai und 27. Januar?
Der 8. Mai 1945 markiert das Kriegsende in Europa. Der 27. Januar ist der Tag der Befreiung von Auschwitz und seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Muss ich für die Einbürgerung viel über die NS-Zeit wissen?
Für den Test brauchst du die wichtigsten Daten, Begriffe und Personen. Außerdem bekennst du dich zur historischen Verantwortung Deutschlands. Tiefes Fachwissen wird nicht verlangt.
Ist es in Deutschland verboten, den Holocaust zu leugnen?
Ja. Holocaustleugnung ist als Volksverhetzung strafbar und kann mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden.
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Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.