Deutschland in der Europäischen Union
Aktualisiert: 30. Oktober 2026
Deutschland ist ein Gründungsmitglied der Europäischen Union. Was 1951 mit einer Gemeinschaft für Kohle und Stahl und 1957 mit den Römischen Verträgen begann, ist heute eine Union aus 27 Staaten mit gemeinsamem Binnenmarkt, Euro und offenen Grenzen. Für dich als künftige Deutsche oder künftiger Deutscher bedeutet das: Du bist dann automatisch auch Unionsbürgerin oder Unionsbürger.
Warum Europa sich zusammenschloss
Nach zwei Weltkriegen wollten die europäischen Staaten verhindern, dass sie je wieder gegeneinander Krieg führen. Die Idee: Wer wirtschaftlich eng verbunden ist, kann nicht mehr gegeneinander kämpfen. Die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich stand im Zentrum – ein Symbol dafür ist das Bild von François Mitterrand und Helmut Kohl, die 1984 in Verdun Hand in Hand der Toten beider Weltkriege gedenken. Im Test wird dazu gefragt, welches Ziel der EU dabei deutlich wird: Frieden.
Die wichtigsten Stationen
- 1951 – Montanunion (EGKS): Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande legen ihre Kohle- und Stahlindustrie unter eine gemeinsame Aufsicht.
- 1957 – Römische Verträge: Dieselben sechs Staaten gründen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Euratom.
- 1979: Erste Direktwahl zum Europäischen Parlament.
- 1985 – Schengener Abkommen: Grundlage für den Wegfall der Grenzkontrollen.
- 1990: Mit der Wiedervereinigung gehören auch die neuen Bundesländer zur Gemeinschaft.
- 1992 – Vertrag von Maastricht: Gründung der Europäischen Union, Einführung der Unionsbürgerschaft.
- 1999/2002 – Euro: 1999 als Buchgeld, seit 2002 auch als Bargeld in Deutschland.
- 2004/2007: Große Osterweiterung, u. a. Polen (2004), Rumänien und Bulgarien (2007).
- 2009 – Vertrag von Lissabon: Mehr Rechte für das Parlament, die Grundrechtecharta wird verbindlich.
- 2020 – Brexit: Das Vereinigte Königreich tritt aus. Seitdem hat die EU 27 Mitgliedstaaten (Stand 2026).
Die Institutionen der EU
Europäisches Parlament
Die Abgeordneten werden alle fünf Jahre direkt von den Bürgerinnen und Bürgern der EU gewählt, zuletzt im Juni 2024. Deutschland stellt als bevölkerungsreichstes Land die meisten Abgeordneten. Das Parlament arbeitet in Straßburg (offizieller Sitz, Plenarsitzungen), Brüssel (Ausschüsse, weitere Sitzungen) und Luxemburg (Verwaltung). Es beschließt gemeinsam mit dem Rat die meisten EU-Gesetze und den Haushalt.
Rat der Europäischen Union
Hier treffen sich die Fachminister der Mitgliedstaaten, z. B. alle Agrarminister. Der Rat ist zusammen mit dem Parlament Gesetzgeber.
Europäischer Rat
Die Staats- und Regierungschefs der 27 Länder legen die großen politischen Linien fest. Für Deutschland nimmt die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler teil.
Europäische Kommission
Sie schlägt Gesetze vor, wacht über die Einhaltung der Verträge und führt die Geschäfte der EU. Jedes Land stellt ein Kommissionsmitglied. Sitz ist Brüssel. Präsidentin ist seit 2019 Ursula von der Leyen aus Deutschland, seit Dezember 2024 in ihrer zweiten Amtszeit (Stand 2026).
Gerichtshof der Europäischen Union
Er sitzt in Luxemburg und sorgt dafür, dass EU-Recht überall gleich ausgelegt wird.
Europäische Zentralbank
Sie sitzt in Frankfurt am Main und ist für die Geldpolitik im Euroraum zuständig.
Was die EU für deinen Alltag bedeutet
- Reisen ohne Passkontrolle: Im Schengen-Raum gibt es normalerweise keine Grenzkontrollen. Zeitweise führen Staaten, auch Deutschland, wieder Kontrollen an bestimmten Grenzen durch.
- Arbeiten und Wohnen: Als Unionsbürgerin oder Unionsbürger darfst du in jedem EU-Land leben und arbeiten (Freizügigkeit).
- Wählen: Bei Kommunal- und Europawahlen darfst du dort wählen, wo du wohnst – auch in einem anderen EU-Land.
- Gemeinsame Währung: In 21 Staaten, darunter Deutschland, zahlst du mit dem Euro; als bisher letztes Land kam Bulgarien am 1. Januar 2026 dazu (Stand 2026).
- Verbraucherschutz: Kein Roaming-Aufpreis im EU-Ausland, Fluggastrechte, zwei Jahre Gewährleistung.
- Konsularischer Schutz: In Ländern ohne deutsche Botschaft hilft dir die Vertretung jedes anderen EU-Staats.
Deutschlands Nachbarn
Deutschland hat neun Nachbarländer: Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Bis auf die Schweiz sind alle EU-Mitglieder. Die Schweiz gehört aber zum Schengen-Raum. Im Test kommt die Frage nach einem Nachbarland mehrmals vor – mit dieser Liste bist du sicher.
Werte der EU
Die EU beruht auf den Werten Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten (Art. 2 des EU-Vertrags). Die Flagge zeigt einen Kreis aus zwölf goldenen Sternen auf blauem Grund – die Zahl steht für Vollkommenheit und Einheit, nicht für die Zahl der Mitglieder. Die Europahymne ist die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“. Der 9. Mai ist der Europatag.
EU-Bürger und Einbürgerung
Wenn du schon Staatsangehöriger eines EU-Landes bist, hast du in Deutschland viele Rechte bereits. Was die Einbürgerung dir dennoch bringt und welche Regeln gelten, steht in Einbürgerung für EU-Bürger. Seit 2024 kannst du deine bisherige Staatsangehörigkeit dabei behalten – siehe Doppelte Staatsbürgerschaft.
Wie EU-Recht in Deutschland wirkt
EU-Recht gibt es in zwei Hauptformen:
- Verordnungen gelten unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, zum Beispiel die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie müssen nicht in deutsches Recht übertragen werden.
- Richtlinien geben ein Ziel vor. Bundestag oder Landtage müssen sie innerhalb einer Frist in deutsche Gesetze umsetzen.
Deutschland wirkt an diesen Regeln mit: über die Bundesregierung im Rat, über die deutschen Abgeordneten im Europäischen Parlament und über den Bundesrat, der bei EU-Angelegenheiten beteiligt wird, die die Länder betreffen. Wie das deutsche System selbst aufgebaut ist, liest du in Politisches System Deutschlands. Und warum an deutschen Behörden neben Schwarz-Rot-Gold die blaue Sternenflagge weht, erklärt Symbole Deutschlands.
Häufige Fragen
Ist Deutschland ein Gründungsmitglied der EU?
Ja. Die Bundesrepublik gehörte 1951 zu den sechs Gründungsstaaten der Montanunion und 1957 der EWG, aus der die EU hervorging.
Wie oft wird das Europäische Parlament gewählt?
Alle fünf Jahre. In Deutschland darf seit der Europawahl 2024 schon ab 16 Jahren gewählt werden.
Seit wann gibt es den Euro als Bargeld?
Seit dem 1. Januar 2002. Als Buchgeld für Überweisungen gab es ihn bereits seit 1999.
Was bedeutet Schengen?
Das Schengener Abkommen schafft die Grenzkontrollen zwischen den teilnehmenden Staaten weitgehend ab. Du kannst in viele Länder Europas ohne Passkontrolle reisen, musst aber trotzdem einen Ausweis dabeihaben.
Bereite dich mit Civio auf den Einbürgerungstest vor: alle 460 offiziellen Fragen, Prüfungsmodus mit 33 Fragen inkl. deines Bundeslands und Spaced Repetition.
Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.