Bundestagswahl – Erststimme, Zweitstimme und das neue Wahlrecht

Bei der Bundestagswahl hast du zwei Stimmen: Mit der Erststimme wählst du eine Person in deinem Wahlkreis, mit der Zweitstimme eine Partei. Die Zweitstimme ist die wichtigere – sie entscheidet, wie viele der 630 Sitze eine Partei bekommt. Seit der Wahlrechtsreform 2023 zieht ein Wahlkreissieger nur noch dann in den Bundestag ein, wenn seine Partei genug Zweitstimmen hat.

Die Wahlgrundsätze

Laut Artikel 38 des Grundgesetzes sind Bundestagswahlen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim:

Gewählt wird normalerweise alle vier Jahre.

Die Erststimme: deine Person im Wahlkreis

Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Auf der linken Seite des Stimmzettels stehen die Kandidatinnen und Kandidaten deines Wahlkreises. Wer die meisten Erststimmen bekommt, gewinnt den Wahlkreis (relative Mehrheitswahl).

Die Zweitstimme: die Partei

Auf der rechten Seite stehen die Parteien mit ihren Landeslisten. Nach dem Anteil der Zweitstimmen werden die Sitze im Bundestag verteilt (Verhältniswahl). Deshalb heißt das System in Deutschland personalisierte Verhältniswahl – im Test steht dafür die Formulierung „Mehrheits- und Verhältniswahlrecht“.

Merksatz für den Test: Je mehr Zweitstimmen eine Partei bekommt, desto mehr Sitze erhält sie im Parlament.

Die 5-Prozent-Hürde und die Grundmandatsklausel

Eine Partei bekommt nur Sitze, wenn sie bundesweit mindestens 5 Prozent der Zweitstimmen erhält. Die Hürde soll verhindern, dass sehr viele kleine Parteien die Regierungsbildung erschweren.

Daneben gibt es die Grundmandatsklausel: Gewinnt eine Partei mindestens drei Wahlkreise, nimmt sie an der Sitzverteilung nach Zweitstimmen teil, auch wenn sie unter 5 Prozent liegt. Die Reform 2023 wollte diese Klausel streichen. Das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juli 2024 entschieden, dass sie bis zu einer Neuregelung weiter gilt. Ausgenommen von der Hürde sind außerdem Parteien nationaler Minderheiten, etwa der SSW.

Was die Wahlrechtsreform 2023 geändert hat

Der Bundestag war vor der Reform immer größer geworden – 2021 auf über 730 Abgeordnete. Grund waren Überhang- und Ausgleichsmandate. Mit der Reform gilt seit der Bundestagswahl im Februar 2025:

  1. Feste Größe von 630 Sitzen.
  2. Keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr.
  3. Zweitstimmendeckung: Eine Partei bekommt nur so viele Sitze, wie ihr nach Zweitstimmen zustehen. Haben in einem Land mehr ihrer Kandidaten den Wahlkreis gewonnen, als die Partei Sitze hat, gehen die Wahlkreissieger mit den schwächsten Ergebnissen leer aus.

Das Bundesverfassungsgericht hat diese Kernpunkte im Juli 2024 bestätigt. Eine Übersicht bietet der Deutsche Bundestag. Bei der Wahl 2025 gab es tatsächlich Wahlkreissieger, die kein Mandat erhielten. Ob das Wahlrecht erneut geändert wird, wird politisch diskutiert – prüf vor der nächsten Wahl den aktuellen Stand.

Ein Beispiel

Stell dir vor, die Partei A erhält in einem Bundesland nach Zweitstimmen 10 Sitze. Ihre Kandidaten haben dort 12 Wahlkreise gewonnen.

Und umgekehrt: Hätte Partei A nur 6 Wahlkreise gewonnen, bekäme sie trotzdem 10 Sitze – 6 für die Wahlkreissieger, 4 über die Landesliste.

Gültig oder ungültig?

Im Einbürgerungstest gibt es eine Bildfrage mit vier Stimmzetteln. Gültig ist der Stimmzettel mit je einem Kreuz in der Spalte für die Erststimme und in der Spalte für die Zweitstimme. Wichtig zu wissen:

Mehr zu den Bildfragen in Bilderfragen im Einbürgerungstest.

So läuft die Wahl praktisch ab

  1. Einige Wochen vorher bekommst du von deiner Gemeinde eine Wahlbenachrichtigung per Post.
  2. Am Wahltag (immer ein Sonntag) gehst du in dein Wahllokal, meist eine Schule oder ein Gemeindezentrum. Mitbringen: Wahlbenachrichtigung und Ausweis.
  3. In der Wahlkabine machst du deine Kreuze, faltest den Zettel und wirfst ihn in die Urne.
  4. Alternativ wählst du per Briefwahl – den Antrag findest du auf der Wahlbenachrichtigung.
  5. Nach 18 Uhr zählen ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer die Stimmen öffentlich aus.

Als Deutsche oder Deutscher kannst du übrigens selbst zur Wahlhilfe verpflichtet werden – auch das ist eine Testfrage. Wie du nach der Einbürgerung zum ersten Mal wählst, steht in Nach der Einbürgerung.

Andere Wahlen in Deutschland

Die Rolle des Bundestages im Staat erklärt Politisches System Deutschlands.

Häufige Fragen

Welche Stimme ist wichtiger, Erst- oder Zweitstimme?

Die Zweitstimme. Sie bestimmt die Sitzverteilung im Bundestag. Seit 2023 entscheidet sie sogar darüber, ob ein Wahlkreissieger tatsächlich einen Sitz bekommt.

Wie viele Abgeordnete hat der Bundestag?

Seit der Bundestagswahl 2025 genau 630. Früher schwankte die Zahl wegen Überhang- und Ausgleichsmandaten und lag zuletzt deutlich über 700.

Gilt die 5-Prozent-Hürde für die Erststimme?

Nein, sie bezieht sich auf die Zweitstimmen. Die Erststimme entscheidet über den Wahlkreissieger. Gewinnt eine Partei drei Wahlkreise, greift die Grundmandatsklausel.

Ab wann darf ich nach der Einbürgerung wählen?

Sobald du deutsch bist, mindestens 18 Jahre alt bist und seit mindestens drei Monaten in Deutschland wohnst. Du kommst automatisch ins Wählerverzeichnis, wenn du gemeldet bist.

Bereite dich mit Civio auf den Einbürgerungstest vor: alle 460 offiziellen Fragen, Prüfungsmodus mit 33 Fragen inkl. deines Bundeslands und Spaced Repetition.

Laden im App Store

Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.