Integrationskurs und Orientierungskurs – was sie dir für die Einbürgerung bringen
Aktualisiert: 30. Oktober 2026
Der Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) besteht aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs über Recht, Geschichte, Kultur und Werte in Deutschland. Er endet mit zwei Prüfungen: dem Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) und dem Test „Leben in Deutschland“. Für die Einbürgerung ist der Kurs nicht Pflicht – aber wer im Test „Leben in Deutschland“ mindestens 17 von 33 Punkten erreicht, hat damit zugleich das Wissen für den Einbürgerungstest nachgewiesen.
Aufbau des Integrationskurses
Der allgemeine Integrationskurs hat zwei Teile:
- Sprachkurs – in der Regel 600 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten, aufgeteilt in Basis- und Aufbaukurs, mit dem Ziel Deutsch auf Niveau B1.
- Orientierungskurs – in der Regel 100 Unterrichtseinheiten über das Leben in Deutschland.
Daneben gibt es Spezialkurse, etwa Alphabetisierungskurse, Jugend- und Elternkurse, Frauenkurse oder Intensivkurse für schnell Lernende. Diese haben eine andere Stundenzahl. Die genauen Regeln findest du beim BAMF.
Was du im Orientierungskurs lernst
Der Orientierungskurs ist inhaltlich fast deckungsgleich mit dem Einbürgerungstest. Er ist in drei Module gegliedert:
- Politik in der Demokratie: Grundgesetz, Grundrechte, Wahlen, Parteien, Bundestag und Bundesrat, Föderalismus, Rechtsstaat.
- Geschichte und Verantwortung: Nationalsozialismus und Holocaust, Teilung und Wiedervereinigung, europäische Integration.
- Mensch und Gesellschaft: Familie, Gleichberechtigung, Erziehung, Religionsvielfalt, Toleranz, Zusammenleben.
Der Unterricht findet auf Deutsch statt und nutzt einfache Sprache. Viele Teilnehmende sagen, dass der Kurs vor allem hilft, die Hintergründe zu verstehen – warum es die 5-Prozent-Hürde gibt, warum Deutschland eine besondere Verantwortung für Israel hat oder was Volkssouveränität bedeutet. Das macht das spätere Lernen für den Test viel leichter.
Die Abschlussprüfungen
- Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ): schriftlicher Teil mit Hören, Lesen und Schreiben (100 Minuten) und mündlicher Teil (etwa 15 Minuten). Bescheinigt werden die Niveaus A2 oder B1.
- Test „Leben in Deutschland“ (LiD): 33 Fragen mit je vier Antworten, 60 Minuten. Die Fragen kommen aus demselben Katalog wie beim Einbürgerungstest.
Laut BAMF gilt:
- Ab 15 richtigen Antworten ist der Orientierungskurs bestanden.
- Ab 17 richtigen Antworten hast du zusätzlich die Kenntnisse für die Einbürgerung nachgewiesen.
Wer B1 im DTZ und mindestens 15 Punkte im LiD erreicht, bekommt das Zertifikat Integrationskurs. Für die Einbürgerung brauchst du aber 17 Punkte – mit 15 oder 16 Punkten hast du den Kurs bestanden, musst für die Einbürgerung jedoch noch einmal einen Einbürgerungstest machen. Die Unterschiede beider Tests erklärt Leben in Deutschland vs. Einbürgerungstest.
Wer am Integrationskurs teilnehmen kann
- Verpflichtet sein können zum Beispiel Menschen mit neuem Aufenthaltstitel, die sich nicht auf einfachem Niveau verständigen können, oder Personen, die Grundsicherung beziehen – die Ausländerbehörde oder das Jobcenter stellt die Verpflichtung aus.
- Berechtigt sind viele Neuzugewanderte mit einem dauerhaften Aufenthaltstitel.
- Freiwillig zugelassen werden können auf Antrag beim BAMF auch andere Gruppen, etwa länger hier lebende Ausländer, EU-Bürgerinnen und EU-Bürger oder Deutsche mit Integrationsbedarf – soweit Plätze verfügbar sind.
Achtung: 2026 war die Zulassung freiwilliger Teilnehmender wegen Haushaltsengpässen zeitweise stark eingeschränkt. Ob und in welchem Umfang Anträge gerade bewilligt werden, erfährst du beim BAMF oder bei einem Kursträger in deiner Nähe (Stand Oktober 2026).
Kosten
Teilnehmende zahlen in der Regel einen Kostenbeitrag pro Unterrichtseinheit an den Kursträger; den Rest trägt der Bund. Von dem Beitrag befreit werden kann, wer z. B. Grundsicherung oder Sozialhilfe bezieht oder ein geringes Einkommen hat – die Befreiung musst du rechtzeitig vor Kursbeginn beim BAMF beantragen. Wer den Kurs innerhalb einer bestimmten Frist erfolgreich abschließt, konnte bisher einen Teil der Kosten erstattet bekommen. Da die Befreiungsgrenzen 2026 angepasst wurden und sich die Regeln ändern können, prüf die aktuellen Zahlen direkt beim BAMF.
Die Prüfungen am Kursende sind für Kursteilnehmende in der Regel im Kurs enthalten. Der Einbürgerungstest außerhalb des Kurses kostet dagegen 25 € – mehr in Einbürgerungstest Kosten.
Brauche ich den Kurs für die Einbürgerung?
Nein. Das Staatsangehörigkeitsgesetz sagt ausdrücklich, dass die Teilnahme an Integrationskursen angeboten wird, aber nicht verpflichtend ist (§ 10 Absatz 5 StAG). Früher verkürzte ein erfolgreicher Integrationskurs die Aufenthaltszeit für die Einbürgerung; diese Regel gibt es seit der Reform 2024 nicht mehr – die Mindestzeit liegt einheitlich bei fünf Jahren.
Trotzdem bringt der Kurs dir viel:
- Du erreichst systematisch B1, das du ohnehin brauchst – siehe Sprachnachweis B1.
- Du lernst die Inhalte des Einbürgerungstests mit Lehrkraft und kannst Fragen stellen.
- Mit 17 Punkten im LiD sparst du dir den separaten Einbürgerungstest.
- Für eine Niederlassungserlaubnis wird häufig der Nachweis von Grundkenntnissen der Rechts- und Gesellschaftsordnung verlangt; dafür reicht der bestandene Orientierungskurs.
Ohne Kurs lernen
Wenn du keinen Platz bekommst oder schon gut Deutsch sprichst, kannst du dich auch allein vorbereiten:
- Lern mit dem offiziellen Fragenkatalog – 300 allgemeine und 10 Fragen zu deinem Bundesland. Du findest sie auf unserer Fragenseite.
- Nutze kostenlose Materialien, etwa von der Bundeszentrale für politische Bildung.
- Übe unter Prüfungsbedingungen. Mit Civio kannst du den Prüfungsmodus mit 33 Fragen beliebig oft wiederholen.
- Plane etwa vier Wochen ein – ein Beispiel bietet der Lernplan für den Einbürgerungstest.
Häufige Fragen
Ist der Integrationskurs für die Einbürgerung Pflicht?
Nein. Du kannst Sprache und Wissen auch anders nachweisen, etwa mit einem B1-Zertifikat und dem Einbürgerungstest. Der Kurs ist aber eine gute Vorbereitung.
Ersetzt der Test „Leben in Deutschland“ den Einbürgerungstest?
Ja, wenn du mindestens 17 von 33 Fragen richtig beantwortet hast. Mit 15 oder 16 Punkten hast du nur den Orientierungskurs bestanden.
Wie viele Stunden hat der Orientierungskurs?
Im allgemeinen Integrationskurs in der Regel 100 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Bei Spezialkursen kann der Umfang abweichen.
Können EU-Bürger am Integrationskurs teilnehmen?
Ja, sie können eine freiwillige Zulassung beim BAMF beantragen, soweit Plätze verfügbar sind. Einen Anspruch auf Teilnahme haben sie in der Regel nicht.
Bereite dich mit Civio auf den Einbürgerungstest vor: alle 460 offiziellen Fragen, Prüfungsmodus mit 33 Fragen inkl. deines Bundeslands und Spaced Repetition.
Informativer Artikel. Civio ist nicht mit staatlichen Stellen verbunden; prüfe die aktuellen Anforderungen immer beim BAMF (bamf.de) und deiner Einbürgerungsbehörde.